(ViIem Flusser „Gerd Bonfert: Einbildungen“ in:EUROPEAN PHOTOGRAPHY Nr 36 1988)

"...Was Bonfert sich und uns da einbildet, ist jene Wendung und Windung, dank welcher wir aus der konventionellen “objektiven Wirklichkeit.. ausbrechen (uns daraus her­auswinden), um in Möglichkeitsfelder für kreatives lnformieren vorzudringen. Also jene existentielle Wendung, dank welcher wir aus Subjekten zu Projekten werden. Das hier untersuchte Bild kann geradezu als Schulbeispiel für jede künftige Analyse der emportauchenden Einbildungskraft verwendet werden: Die alte “Imagination“, laut der wir von unserem Körper objektiv bedingt sind, ist in einen immateriellen Sarg zu stellen — ohne deswegen begraben wer­den zu müssen—, und das Interesse ist der neuen “Einbildung“, dem neuen Men­schenbild, dem neuen Bild unserer selbst zu schenken."

 

(Denis Baudier: extrait de texte, Art Press n°132, 1989)

" …Le travail de Bonfert s'inscrit dans une problématique qui parcourt toute l'histoire de l'art : comment inscrire les sensations d'un corps dans sa représentation, l'expression de la volupté ou de la souffrance dans un langage pictural ? La photographie n'autorise pas, a priori, l'élaboration d'un système de signes autonomes. l'expression d'un "style". Le rapport mécanique qu'introduit l'appareil entre la réalité et son interprète ne laisse pas au photographe beaucoup de choix. Celui de Bonfert est de forcer la rigueur du constat mécanique au profit d'une expérimentation formelle et de produire des effets de réel contrôlés qui peuvent s'assimiler au "style".
Par un jeu d'éclairage, de mouvement et de dissimulation, Bonfert dissout la densité charnelle de son corps en une matière lumineuse, diaphane, translucide. Son corps n'est plus entier, stable, mais se transforme en un champ de force, de torsions, d'éclairs ; il devient un point de fusion entre le temps et la lumière. La réussite de ce travail tient à la remarquable maîtrise de cette chorégraphie visuelle et au trouble que produit la disparition d'un corps au profit de son émanation fantomatique. "

 

(Hubert Filser, Der Gesang aus der Kammer,Das Helle und das Dunkle: der Fotograf Gerd Bonfert in der Galerie Benning, in: Süddeutsche Zeitung vom 23.12.2000 Münchner Kultur)

"...Der in Köln lebende Fotograf, der seit etwa zehn Jahren nicht mehr in München zu sehen war, treibt sein Spiel sehr weit. Mit seinen Pupillen schreibt er, wie andere Künstler es mit Taschenlampen oder Kerzen schon getan haben, Worte aufs Fotopapier. Das schönste, hintersinnigste Bild ist eines, in dem man zittrig „video“ erkennen kann: Ich sehe. Geschrieben mit dem Auge. Gezielt lenkt Bonfert den Blick auf den Körper, und er scheint dabei durchaus auch auf seine Brüchigkeit und Vergänglichkeit, auf das Jenseitige zu schauen. So als ob das Leben von draußen in diese Dunkelkammer der Existenz hereinscheinen würde.

Das Spiel seiner Beine, die manchmal wie Knochen wirken, das Spiel des Oberkörpers, der zum Torso wird, die Gedankenwelt dieses Gerd Bonfert, der nicht viel spricht außer mit seinen Augen, fügt sich immer mehr in dieser konzentrierten Ausstellung zusammen. Man kann diese verwinkelten Räume durchschreiten, man weiß, es wartet irgendwo noch jemand auf einen, ein Mephisto hinter einem Vorhang, der einem von den letzten Dingen erzählen will. Davon, dass das Helle das Dunkle in sich trägt, sowie das Leben den Tod. Bei Bonfert tritt da ein Chor auf die Bühne, vierstimmig singt er sein Requiem. Im letzten Raum hängen die Bilder der Männer im schwarzen Anzug an der Wand, und leise hat man ihren Gesang schon von Anfang an gehört...."

 

(Gottfried Knapp, Kunst als eine Form der Erinnerung. Das wagemutige Kolumba-Museum in Köln hat sich für ein Jahr ganz neu eingerichtet, in: Süddeutsche Zeitung, 9. November 2009)

"... Besonderen Eindruck hinterlässt der Raum, in dem zwei großformatige Fotografien von Gerd Bonfert sich selbst überlassen sind: Sie zeigen Ausblicke durch geschlossene Fenster, die durch überscharfe Jalousie-Muster beziehungsweise die verwischten Umrisse eines Menschen eine fast schon philosophisch-poetische Kraft bekommen..."

 

 

Selected Bibliography

Gerd Bonfert "PHOTOSYNTHESEN" Salon Verlag, Köln 2008

Kurt Benning, in: NEUE KUNST IN MÜNCHEN, 4/1985

EUROPEAN PHOTOGRAPHY Nr.28/1986

Vilém Flusser, in: EUROPEAN PHOTOGRAPHY, Nr. 36/1988

Barbara Straka, in: "Fotografie nach allen Regeln der Kunst",
Suplement zu Katalog: "Das Medium Photographie ist berechtigt, Denkanstöße zu geben", Kunstverein Hamburg 1989

APERTURE, Nr. 123, New York 1991

Susanne Wedewer, in: KÖLNER SKIZZEN, Heft 3/1992

Michelle Debat: "La Luminance comme Matière du virtuel", in: Katalog der Galerie Bouqueret & Lebon, Paris 1992

Jean-Christian Fleury, "Le Mentir-Vrai de la Lumière", in: PHOTOGRAPHIES MAGAZINE, Paris 11/1992

Régis Durand, in: ART PRESS, Nr. 167/1992

Reinhold Mißelbeck, in: EUROPEAN PHOTOGRAPHY, Nr. 53/1993

Beate Ermacora, in: Katalog "Positionen zum Ich", Kunsthalle zu Kiel, Juni 1994

Andreas Vowinckel, in: Katalog "RAM-Realität, Anspruch, Medium", Badischer Kunstverein Karlsruhe, 1995

Jens Peter Koerver, "Licht, Zeiten, Bilder", in: Ausstellungskatalog der Galerie Janine Mautsch, Köln 1996

Jens Peter Koerver, "Ausgerenkte Zeit", in: noema art journal, Nr. 48, Wien 1998

"Das zweite Gesicht – The other face", Prestel Verlag, München 2002

Dietrich Sturm & Françoise Lonardoni, "Questions à Gerd Bonfert", in: Katalog "Gerd Bonfert", Bibliothèque municipale de Lyon, 2003

Nassim Daghighian, "Gerd Bonfert, surprendre l’invisible", in: Katalog "Gerd Bonfert", Bibliothèque municipale de Lyon, 2003

Jens Peter Koerver, "Le temps disloqué", in: Katalog "Gerd Bonfert", Bibliothèque municipale de Lyon, 2003

Gerd Bonfert "Sehungen" édition séparée N°41, SALON VERLAG, Köln 2004

Herbert Döring-Spengler, "Licht ist Zeit - Gespräch mit Gerd Bonfert"

in: KUNSTCONTEXT Nr. 8, Lohmar 2006

Joachim Rönneper "Nur zwei Dinge – Analoge Photographie" Katalog Raum für Kunst, Aachen 2011

 

 


 

 


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